Der Begehbare Kleiderschrank, der plötzlich schlafen kann
Als ich vor drei Jahren in meine erste eigene Wohnung zog, hatte ich einen Traum und ein Problem. Der Traum war ein begehbarer Kleiderschrank, so einer mit gedimmten LED-Streifen und einer Sitzbank, auf der man morgens die Schuhe zubindet. Das Problem war die mickrige zweite Kammer. Sie maß gerade mal zwei mal drei Meter und lag direkt neben dem Wohnzimmer. Jeder Quadratzentimeter in der Stadtwohnung war verplant, und ich stand vor der Wahl: Entweder ich stopfte meine Kleidung in eine schmale Ikea-Kommode und gab den Raum als Abstellkammer frei, oder ich fand einen Weg, diesen Raum gleichzeitig nutzbar zu machen. Die Lösung lag in der Verwandlung eines Walk-in Closets in ein Gästezimmer auf Abruf. Der Trick war ein Möbelstück, das beides konnte.
Ich entschied mich für eine Sofa Couch mit Schlaffunktion. Aber nicht irgendeine. Ich brauchte eine, die schmal genug war, um in die 2,20 Meter lange Nische zu passen, die für die hängende Kleidung vorgesehen war. Ich fand ein Modell mit einer eleganten, tiefdunklen Velvet upholstery, das tagsüber wie eine edle Chaiselongue aussieht. Der Clou war der versteckte Stauraum unter der Sitzfläche. Statt durch die Gegend zu fliegen, schlummern dort nun die Winterpullover und die sperrige Daunenjacke, die sonst den Schrank sprengen würde. Abends, wenn Gäste kommen, verwandle ich die Couch in kürzester Zeit. Der click-clack mechanism klackt leise, die Rückenlehne fällt nach hinten und voilà – aus dem edlen Sitzmöbel wird eine Liegefläche von 140 mal 200 Zentimetern.
Die größte Hürde war das Bettzeug. In einem klassischen Walk-in Closet hat man keine meterhohen Schränke für dicke Decken. Jeder Quadratmeter Schrankraum ist mit Hosen, Hemden und . Also musste ich radikal umdenken. Ich entsorgte die sperrige Tagesdecke und investierte in zwei dünne, aber hochwertige Laken aus Leinen, die zwischen den Blazern hängen. Die Gästedecke ist keine Daunenlawine, sondern eine kompakte Kamelhaardecke, die ich zusammengerollt auf ein offenes Regal unter die Hüte lege. Die Kissen? Zwei Stück, flach, mit Silikonfaser gefüllt, die ich in den Tiefen des Schrankes hinter meinen Stiefeln verstaue. So bleibt das System durchlässig. Keine quellenden Textilberge, keine Kompromisse bei der Kleideraufbewahrung.
Das nächste Problem war der Schlafkomfort. Eine typische Sofa Couch hat oft eine billige Schaumstoffmatratze, auf der man nach einer Stunde wie auf einem Brett liegt. Ich ließ mir deshalb eine austauschbare Auflage anfertigen: eine 16 cm dicke foam mattress mit einem herausnehmbaren Bezug. Die Matratze ruht auf einem stabilen slatted frame, den der Schreiner genau auf das Maß des ausklappbaren Gestells gearbeitet hat. Tagsüber lehne ich die Matratze senkrecht an die Wand des Walk-in Closets, hinter einer langen, bodentiefen Gardine aus schwerem Leinen. Man sieht nichts. Und nachts, wenn mein Freund aus Berlin zu Besuch kommt, ziehe ich die Gardine zur Seite, lege die Matratze auf das ausgeklappte Gerüst und habe ein Bett, das sich anfühlt wie ein richtiges Bett – mit durchgehender Stützfläche statt der üblichen welligen Lattenunterteilung.
Die Organisation des Raumes wurde zur Geduldsprobe. Ich hatte ursprünglich eine Stange auf 180 Zentimetern Höhe angebracht, die Hosen hingen bis fast auf den Boden. Aber die Sofa Couch benötigt nach dem Ausklappen fast 220 Zentimeter Länge. Also musste die Stange weichen. Ich ersetzte sie durch zwei kürzere Stangen auf 120 Zentimeter Höhe, eine links, eine rechts. Darunter baute ich offene Schuhboxen auf, die als Sockel für die ausgeklappte Liegefläche dienen. Die Kleider, die früher tief hingen – lange Mäntel, maxi Kleider – wanderten in den Flurschrank. Dafür gewann ich den Platz, der die Nacht zum Tag machte. Die Kunst besteht darin, die vertikale Fläche des Walk-in Closets nicht zu verschwenden, bevor man die horizontale braucht.
Die Sofa Couch selbst ist das Herz des Umbaus. Ich wählte ein geradliniges Modell mit schmalen Armlehnen, damit die Sitzfläche maximal breit bleibt. Die Farbe: ein stumpfes Anthrazit, das weder mit den bunten Schals noch mit den Herbstjacken konkurriert. Die Bezüge sind abnehmbar und waschbar, denn Gäste essen manchmal Chips im Bett. Die Polsterung der Sofa Couch hat eine mittlere Festigkeit, sodass man tagsüber aufrecht sitzen kann, ohne dass die Knie hochrutschen. Die Beine aus gebürstetem Stahl geben dem Raum eine industrielle Note, die gut zu den klaren Linien der Kleiderstangen passt. Kein Schnickschnack, keine verspielten Applikationen – alles dient der Funktion.
Ein Wort noch zur Beleuchtung. In meinem Walk-in Closet war ursprünglich nur eine Deckenlampe mit 60 Watt. Für die Kleidersuche ausreichend, fürs gemütliche Lesen vor dem Einschlafen furchtbar. Also installierte ich hinter der Gardine eine dimmbare LED-Leiste, die ein warmes, fast flackerfreies Licht wirft, ähnlich einem Sonnenuntergang. Der Schalter sitzt außen am Türrahmen. Wenn ich abends die Sofa Couch ausklappe, dimme ich das Hauptlicht auf zehn Prozent, lege die 16 cm starke foam mattress auf den slatted frame und werfe die Laken darüber. Die Hosen, die von den Stangen baumeln, werfen leichte Schatten an die Wand. Es wirkt wie ein kleines, intimes Zimmer in einem Hotel – nur dass ringsherum meine Pullover hängen.
Am Ende ist es genau dieser Kontrast, der den Raum spannend macht. Ein Walk-in Closet, der abends zum Schlafzimmer wird, zwingt zur Disziplin, aber er belohnt mit einem hohen Maß an Flexibilität. Ich habe keine monströse Couch mehr im Wohnzimmer stehen, die ständig nach Schlafstätte aussieht. Stattdessen öffne ich die Tür zu meinem Schrank, und entweder suche ich ein Hemd, oder ich lege einen Gast hinein. Die bed with storage, die ich in Form des Unterbaus der Sofa Couch gewonnen habe, bewahrt Bettwäsche und die Sommerdecke auf. Alles hat seinen Platz, weil nichts seinen Platz verlassen muss. Die 2,5 mal 3 Meter werden zum Chamäleon unter den Räumen. Und die Gäste schlafen nicht auf der Couch im Wohnzimmer, sondern sie erleben die stille, almost intime Seite des Hauses – zwischen Hemden und unter warmem Licht.